Wie alt
die
Tiefburg tatsächlich ist, konnte auch ihr Heidelberger
Chronist,
Hans Heiberger, nicht ermitteln: "Sie mag", schreibt er in seiner
Dokumentation,
"in ihren Anfängen als Wehrbau wohl im frühen Mittelalter
angelegt
worden sein. Aus Überlieferungen des 13. und 14. Jahrhunderts geht
hervor, dass sie eine Wasserburg war." Noch heute betritt man die Burg
über eine Brücke, die einen zwölf Meter breiten Graben
überspannt.
Früher sorgte der Handschuhsheimer Mülbach für
Wasserzufuhr.
Vermutlich aus hygienischen Gründen - viel Unrat der Burgherren
landete
im Graben und zog dort Ratten an - wurde er in den Jahren 1830 und 1844
zugeschüttet.
Im Dezember
1600 richtete Kurfürst Friedrich IV. die Doppelhochzeit seines
Hofmeisters
und des Burgvogts mit zwei kurfürstlichen Hofdamen aus. Für
den
Junker Johann von Handschuhsheim, den letzten männlichen Spross
eines
alten Geschlechts - bereits 1130 wird ein Rumhardus von Hantschuhsheim
in einer Urkunde des Klosters Lorsch als Vasall erwähnt - endete
das
Fest mit einer Fehde. Als er vom Kurfürsten mit dem Ritterschlag
geehrt wurde, zog er sich den Neid eines Konkurrenten zu, des jungen
Friedrich
von Hirschhorn.Kurz darauf,
am Abend des 14. Dezember 1600, setzte der zwanzigjährige
Heißsporn
aus Hirschhorn dem erst fünfzehnjährigen Ritter von
Handschuhsheim
auf dem Heidelberger Marktplatz mit dem Degen derart zu, dass er wenig
später seinen Wunden erlag. Seine Mutter
Amalie, die als letzte den Namen "Handschuhsheim" trug, starb im
30jährigen
Krieg.
1624 ging die
Tiefburg in den Besitz der Freiherren von Helmstatt über, die in
den
folgenden 300 Jahren ihr Erbe von Generation zu Generation weitergaben,
bevor es 1950 in das Eigentum der Stadt Heidelberg
gelangte.
Vom Kern der
alten Burg sind heute nur noch die Grundmauern, die Gewölbe des
Wohnturms
und die Wehrmauern erhalten. In Mitleidenschaft gezogen wurde die Burg
nicht nur während des 30jährigen Krieges, sondern auch
während
der Orleansschen Erbstreitigkeiten. Im Januar 1689 wurde das
ursprüngliche Gemäuer nahezu vollständig zerstört.
Um 1700 entstand ein
neues Herrenhaus mit Ställen und Scheunen. Erst in den Jahren 1911
bis 1913 ließ der damalige Besitzer, Graf Raban von Helmstatt,
das Wohnhaus im Innenhof wieder auf- und ausbauen. Fortan wurde das
"Ritterhaus"
an Privatleute vermietet, während der Rittersaal und eine Baracke
im Hof von 1921 bis 1951 als Jugendherberge dienten. Im idyllischen
Burghof feierte man von 1932 bis 1934 alljährlich die
"Burgtheaterspiele".
Am 5.
Juli
1950 verkaufte Graf Bleichard von Helmstatt die Tiefburg für
33.000
Mark an die Stadt Heidelberg.
Die Stadt Heidelberg hat
einen langfristigen Vertrag mit dem Verein Schlaraffia
Haidelberga e.V. geschlossen. Behutsam hat die Haidelberga durch Renovierung und
Einbau einer Heizung im historischen Gewölbekeller ihre Heimburg
eingerichtet und ist daher wohl das
einzige Schlaraffenreych, das seine Burg in einer mittelalterlichen
Burg
hat.